Modernes Gärtnern auf dem Kaldenhof
Der aktuelle Trend: Anbau in Hochbeeten, Ampeln und Kübeln

Herzlich Willkommen zum „Gartenfreund“-Expertenforum hieß es in diesem Jahr bereits zum neunten Mal auf dem Kaldenhof in Münster.

Zu diesem traditionellen Treffen hatten wieder die Firmen Volmary und Bruno Nebelung und der Verlag W. Wächter, Verleger der Zeitschrift Gartenfreund, eingeladen und ein buntes Programm zusammengestellt. Als weiterer Partner war in diesem Jahr die Schreberjugend Sachsen mit dabei, welche einen Einblick in ihr Projekt „Artenvielfalt im Kleingarten“ gewährte.

Auch in diesem Jahr war der Kaldenhof wieder mit zahlreichen Blumen, Kräutern und Gemüsen bestückt und lud die rund 150 interessierten Gartenfreundinnen und Gartenfreunde zur Besichtigung ein; hierunter auch Peter Kahle und Miriam Soboll vom Landesverband niedersächsischer Gartenfreunde, sowie Vertreter der Bezirke Hannover-Land, Oldenburg und Osnabrück.


Wie in den vergangenen Jahren, standen auch in diesem Jahr neue Trends in der Pflanzenzüchtung im Vordergrund. Dieses Mal im Zusammenhang mit weiteren Informationen über den Anbau im Hochbeet oder dem gemeinsamen Anbau von Zierpflanzen und Gemüse.

Neben interessanten Vorträgen erwarteten die Besucher wie bereits im vergangenen Jahr Mitmachinseln auf dem Freigelände. Die aufgebauten Stationen waren sehr vielseitig, so dass für jeden etwas dabei war. Es gab Stationen zu den Themen Veredelung, Hochbeet und Kompost. Den kleinen Hunger zwischendurch stillte die aufgebaute Health Bar, an der es von Kräuterexpertin Conny Austermann frisch zubereitete Kräuterwaffeln zum Probieren gab.

Hochbeete- Gärtnern auf Augenhöhe
Auch wenn für viele Gartenfreunde der Anbau im Hochbeet nicht neu ist, ist er momentan so aktuell wie nie zuvor und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Denn bei dem Anbau im Hochbeet lassen sich viele Vorteile vereinen. Und so machte auch Hanna Strotmeier, bei der Bruno Nebelung GmbH für den Saatguteinkauf im Bereich Gemüse zuständig, in ihrem Vortrag das Gärtnern im Hochbeet schmackhaft.

Hochbeete ermöglichen ein rückenschonendes Arbeiten. Durch die angenehme Höhe fällt das lästige Bücken weg und der Anbau, die Beetbearbeitung und auch das Zupfen von Unkraut machen deutlich mehr Spaß als in der Hocke oder ockeHkniend auf dem Boden. Der Anbau von Gemüse, Kräutern oder Blumen erfolgt im Hochbeet auf kleinem Raum und unabhängig von der Bodenbeschaffenheit. Aufgrund des begrenzten Platzangebotes sei die richtige Sortenwahl besonders wichtig, betonte die Referentin. Entsprechende Sorten sollten möglichst klein und kompakt bleiben, schnell wachsen und eine kurze Kulturdauer haben. Dies gewehrleiste mehrere Kulturen im Jahr und somit eine optimale Nutzung der Fläche. Hierbei wirkt der Einfluss der Sonne unterstützend. Sie erwärmt das Beet und die Erde sehr zeitig im Jahr, so dass früher ausgesät und somit auch geerntet werden kann.

Für die Pflanzung im Hochbeet hat sich eine ganze Reihe an Pflanzen bewährt. Hierzu zählen Buschbohnen, Salat, Radieschen, Lauch, Zwiebeln und Fenchel. Damit das Hochbeet zum Blickfang im Garten wird, kann das Beet mit farbigem Mangold, roter und gelber Beete oder auch mit blauem und weißem Kohlrabi bepflanzt werden. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Erlaubt ist, was gefällt und schmeckt, so die Referentin. Wer mag, kann auch Kräuter und/oder Blumen mit Gemüse in einem Beet kombinieren.

Der Bau eines Hoch- oder Tischbeetes lässt sich mit ein wenig handwerklichem Geschick und relativ geringem Materialeinsatz realisieren, so kann z.B. eine ausgediente Europalette noch als Grundgerüst Verwendung finden.  Im Handel sind zwar fertige Modelle erhältlich, doch haben diese auch ihren Preis.

Das Beet als Auslaufmodell

Raimund Schnecking, Produktberater im Bereich Gemüse bei der Volmary GmbH präsentierte in seinem Vortrag die neuesten Trends in der Gemüsezüchtung. Da Hobbygärtner frisches Obst, Gemüse oder Kräuter aus dem eigenen Garten zu schätzen wissen, sich aber die Vorstellungen vom Anbau bereits geändert haben und voraussichtlich noch weiter ändern werden, wird das klassische Beet langsam zum Auslaufmodell. Viele wollen ernten, ohne großen Aufwand und viel Pflege, so der Referent. Dies führt dazu, dass der Anbau in den unterschiedlichsten Formen von Gefäßen wie z.B. Hochbeeten, Blumenkästen, Kübeln oder Ampeln immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Für die Umsetzung dieses Trends sind spezielle Techniken notwendig, hierzu gehören die Veredelung von Pflanzen, die Bewässerungstechnik oder in Zukunft auch Kulturen, die vollkommen erdelos in Nährlösungen angezogen werden. Aktuell gehen die Züchtungsziele dahin, besonders süße Tomaten, scharfe Paprikas oder kompakte Pflanzen zu züchten. Pflanzen für die nur ein kleiner Platz zum Wachsen notwendig ist und die somit in jedem Garten oder auf Balkon oder Terrasse ihren Platz finden können.

Artenvielfalt im Kleingarten

Das Projekt „Artenvielfalt im Kleingarten“ wird von der Schreberjugend Sachsen betrieben. Ziel ist es, Flora, Fauna und Mykologie innerhalb einer Kleingartenanlage zu erforschen. Eingebunden in den Ganztagsschulen-Unterricht lernen Kinder hier wie aktive Feldforschung funktioniert und wie mit Bestimmungsbüchern und moderner Technik in Form von Mikroskopen oder Kameras umgegangen wird. Tommy Brumm, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen der Schreberjugend betonte in seinem Vortrag wie wichtig es sei, dass Kinder und Jugendliche die Gelegenheit zur Selbstfindung bekommen, schließlich prägen Erlebnisse mit der Natur für das ganze Leben. Außerdem wisse man nie, ob aus den interessierten Kindern der Schreberjugend später einmal Wissenschaftler, Biologen oder auch Lehrer hervorgingen. Da bereits im Grundschulalter die grundlegenden Interessen geweckt werden, könne man nicht früh genug beginnen, Kinder mit der Natur und dem Umgang mit dem Mikroskop vertraut zu machen.

Für die Zukunft ist geplant, die erworbenen Kenntnisse des Projektes in einer Datenbank zu sammeln und allen Interessierten zur Verfügung zu stellen.

Zur Artenvielfalt im Kleingarten kann jeder seinen Beitrag leisten. Ein Kleingarten sei schließlich kein Ökosystem, sondern eine Kulturlandschaft und diese wird vom Gärtner bestimmt, so der Referent.

Neues für den Garten
Herbert Kleine Niesse, Verkaufsleiter und Prokurist bei der Bruno Nebelung GmbH stellte in seinem Vortrag die Neuheiten der Marken Kiepenkerl und SPERLI vor. Auch hier wurde deutlich, dass sich mit der Kultur in den unterschiedlichsten Formen von Gefäßen, die Anforderungen an Pflanzen verändern. „Der Trend geht zu Gefäßen und somit auch zu kompakteren Pflanzen“, stellte der Referent fest. „Urban Gardening“ bleibe auch weiterhin im Trend, denn gärtnern ließe sich schließlich überall. So haben es beispielsweise die Cherry Buschtomate Lizzano, die rote Datteltomate Romello oder auch die gelb-orange Datteltomate Nugget in den neuen Katalog geschafft. „Alle drei Sorten sind sehr gut für die Kultur in Kübeln oder großen Ampeln geeignet, sie weisen eine hohe Widerstandskraft gegenüber Krankheiten auf und überzeugen schließlich auch noch im Geschmack“, so Herr Kleine Niesse. Auch Minipaprikas seien im nächsten Jahr wieder ein großes Thema. Hierzu zählen die Mini Snack Paprika-Sorten Sperlis Fitness oder Tribelli Mini, beide jeweils in rot und orange erhältlich, sowie die rote Spitzpaprika Atris. Alle drei zeichnen sich durch wenig Samen, viele Nährstoffe und Vitamine, sowie eine angenehme Süße aus.

Bei den Blumen stehen im nächsten Jahr die Begonien hoch im Kurs. 2016 sei das Jahr der Knollenbegonie. Tolle, neue Sorten mit zum Teil gefransten und gefächerten Blüten seien der Hit und hätten nichts mehr mit den alt hergebrachten Sorten von früher gemein. Sie seien schlichtweg ein wieder entdeckter Trend für Garten, Balkon und Terrasse, so der Referent.

Blumen gehören in jeden Garten
So lautet das Credo von Volker Schevel, Produktberater bei der Volmary GmbH im Bereich Zierpflanzen. Zwar haben sich die Vorlieben für bestimmte Blumen und die Art und Weise, wie sie im Garten Verwendung finden, im Laufe der Zeit verändert, doch seien sie nach wie vor fester Bestandteil in den Gärten. Heutzutage sind Blumen oft nicht mehr nur reine Beetbepflanzungen. Mitunter müssen sie vielerlei Aufgaben in sich vereinen. Pflanzen werden als Bodendecker verwendet, um den Wuchs von Unkraut zu unterdrücken, Kletterpflanzen dienen als natürlicher Sichtschutz, viele Blumen sind wertvolle Pollen- und Nektarquellen für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und eine ganze Reihe weiterer Insekten. Nebenbei sollen sie auch noch schön und möglichst lange blühen. Die Anforderungen sind gestiegen. Immer vielfältiger und ausgefallener wird das Blumensortiment. Exotische Blütenfarben und Düfte nach Zitrone, Vanille oder Coca-Cola liegen im Trend. Wenn möglich, sollen die Pflanzen auch noch sehr pflegeleicht sein, damit auch ältere Gartenfreunde oder Berufstätige sich an der Pracht erfreuen können, ohne großen Aufwand betreiben zu müssen.

Neben dem klassischen Garten liegen derzeit auch andere Formen im Trend. Hierzu zählen der vertikale Garten, erreicht durch Kletterpflanzen wie Kletterbohnen oder die Schwarzäugige Susanne, mobile Gärten, bei denen Paletten, zum Teil senkrecht stehend, mit Blumen, Blattpflanzen oder Kräutern bepflanzt werden oder Miniaturgärten, bei denen Pflanzen in ausgedienten PET-Flaschen,  Dosen oder Tetrapacks kultiviert werden. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Probieren Sie es aus!

 

NDS102015-Kaldenhof 1
NDS102015-Kaldenhof 2
NDS102015-Kaldenhof 3
NDS102015-Kaldenhof 4

Fachsimpelei unter Vorstandskollegen, Peter Kahle und Miriam Soboll vom Landesverband Niedersächsischer Gartenfreunde
Foto:
Wüstefeld

 

Hochbeete erobern die Kleingärten, hier ein reich bestücktes Beet mit Zwiebeln, Erdbeeren, Mangold und vielem mehr

 

Hildegard Marquardt, Karin Stolze und Carsten Schulze vom BV Hannover-Land besichtigen den Kaldenhof  auf der Suche nach neuen Sorten und Trends

 

Mobile Gärten liegen im Trend, hier ein Etagenbeet, gefertigt aus einer Europalette, bepflanzt mit Erdbeeren und Kräutern
Fotos: Soboll

 

Banner LNG 26_05_2015_1