Landeswettbewerb Gärten im Städtebau – ein Reisebericht

Niedersachsens Kleingartenanlage sind Spitze!

Die Arbeit ist getan. Die teilnehmenden Vereine haben nach oft langer und intensiver Vorbereitung ihre Anlagen präsentiert. Auch die Jury hat ihre Aufgabe erledigt, sich ausgiebig informiert, bis in die hinteren Ecken der Gärten geschaut und sich ein Urteil gebildet.

Hinterher war alles ganz einfach. Aber vor dem Wettbewerb gab es bei den Vereinen und der Jury gleichermaßen gespannte Erwartungen.

Das fing ja gut an.

Aus allen Teilen des Landes Niedersachsen angereist trafen sich die Jurymitglieder pünktlich in Hannover. Wir, die Jury, das waren Olaf Armbruster, Hannover, Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung – kurz ML, Bernd Vogel, Hannover, zuständig für die Landesfachberatung im LNG; Friedrich Grünberg, Vorsitzender des Bezirksverband der Kleingärtner Wolfsburg und Umgebung e.V. und Joachim Roemer, Vizepräsident des LNG.

Der 19. August sollte ein schöner, warmer Tag werden und so war die Stimmung im Vorfeld des Wettbewerbs ausgesprochen gut und garantiert, dass nicht nur die Teilnehmer ins Schwitzen gerieten.

Die ersten beiden Wettbewerbstage meinte es der Wettergott gut mit uns. Für den zweiten Tag war der wärmste Tag des Jahres mit bis zu 40o C angekündigt. Wir sollten noch erleben, was dass bedeutet. Da durfte die Krawatte gleich im Schrank bleiben und die Sonnenmilch ihren Dienst verrichten.

So ging die Fahrt von Hannover erst einmal ins nahe gelegene Hildesheim. Der größte Bezirksverband des LNG hatte zwei Vereine gemeldet, die zuvor im Bezirksentscheid erfolgreich waren. Erste Station: Die Gartenfreude vom Blauen Kamp. Gott sei Dank mussten wir hier keine Gartenarbeit verrichten, bedeutet der Vereinsname doch „blauer Ton“, und der wäre nach Tagen der Trockenheit alles andere als leicht zu bearbeiten. Wir waren daher sehr positiv überrascht, als uns gepflegte bunte Gärten erwarteten, in einer Hanglage zwischen den Höhenzügen am Rande von Hildesheim und dem Blick in das Tal der Innerste. 500 m lange Wege verhießen uns entweder einen gemütlichen Weg nach unten oder einen etwas strapaziöseren bergauf.

Über die niedrigen Hecken ließen sich die vielfältig angelegten Gärten bewundern. Gartenfreunde begrüßten uns und erlaubten uns einen Einblick in die hinteren Winkel ihrer Parzellen.

Auf der anderen Seite der Stadt erwartete uns Güldenfeld. Der Verein begleitet die nur wenig befahrene S-Bahn Linie. So gibt es einen langen Weg durch die Kolonie und auf halber Länge einen kurzen zurück. Die Lauben, fast alle im gleichen Baustil und in einer Flucht angeordnet, vermittelten eine klare Ordnung. Eine Seite schweifte der Blick quer durch die Gärten, auf der anderen Seite ließ die Laube nur einen schmalen Durchblick an der Seite offen, und des Gärtners Paradies musste erahnt werden. Aber gerade diese Einblicke machten den Reiz des Besonderen aus.

Der zweite Tag

Am zweiten Tag sollte die 40o C Marke erreicht werden. Die Sonne brannte auf alle Mitwirkende.

Früh am Morgen fuhren wir den ansteigenden Weg hinauf zur Anlage „Am Brösselweg“. Hinter Einfamilienhäusern, in einer guten Wohnlage, erreichten wir den großzügigen Parkplatz. Stellplatzsorgen wird es hier nie geben.

Beim Weg in die Anlage versuchte das Auge bereits eine Lücke zu finden um einen Blick in das Tal der Weser auszumachen. So hoch droben musste das gelingen. Aber zunächst fiel das neue Bienenhotel neben der Totholzhecke auf. An diese nützlichen Helfer wurde also auch gedacht, wie auch an eine Gemeinschaftskompostierung unter den Bäumen.

Große Rasenflächen prägen die Anlage und so schlenderten wir gemütlich die Wege auf und ab und erreichten dabei auch den durch die Anlage führenden europäischen Fernwanderweg E1. Bei dem Model- und Formbauer Otto Göttling konnten wir sehen, wer hier zuständig ist für Eingangsschilder und das besagte Bienenhotel. Der Garten war geprägt durch akkurat gefertigte Holzmodelle.

In Osnabrück ließ es sich Oberbürgermeister Pistorius nicht nehmen, seinen gut klimatisieren Dienstwagen zu verlassen und eine halbe Stunde mit der Jury die Anlage Blumenhalle des Kleingärtnervereins West e.V. zu besichtigen.

Die Anlage, von dichter Bebauung gar nicht weit vom Osnabrücker Stadtzentrum gelegen, präsentierte sich von ihrer schönsten Seite. Der neue Vorstand hatte viel Zeit und Arbeit investiert um alles rechtzeitig auf Vordermann zu bringen. Aus einigen Gärten wollten wir gar nicht wieder heraus. Zu viel gab es zu sehen von dem Einfallsreichtum, mit dem Gartenfreundinnen und Gartenfreunde ihre Liebe zum Garten ausdrückten. Das hier eine Gartenlaube unter Denkmalschutz steht ist ein Zeichen dafür, dass sorgsam mit dem Inventar der Gärten umgegangen wird.

Der dritte Tag

Eine Woche später, fairerweise war das Wetter so gut geblieben, begannen wir die zweite Etappe in Syke. Bei der Fahrt hinaus zur Anlage wiesen Werder-Fahnen auf die Nähe von Bremen hin.

Der erste Eindruck beim durchqueren des Eingangstores war verblüffend. Zäune gab es in dieser Anlage keine. Manchmal markierte eine Reihe Pflastersteine die Grenze zum Nachbarn. Kreuz und quer durchwanderten wir die Gärten. Die Gartenwelt aus der Sicht der Pächter war ein einmaliges Erlebnis. So viel Harmonie wünscht man sich in allen Vereinen. Verstärkt wurde der Eindruck, sich in einer kleinen Parklandschaft zu bewegen, durch die Graswege. So floss alles ineinander und nur durch die verschiedenen Gartenlauben merkten wir, dass hier viele Gartenfreunde ihrem Hobby nachgehen.

Einen ganz anderen Eindruck vermittelte die Oldenburger Anlage Bullwisch-Hartmann. Es war zu spüren, dass die Pächter lange unter dem Einfluss des Wassers standen, das regelmäßig die Kolonie heimsuchte. Inzwischen ist die Vorflut soweit geregelt, dass die Füße trocken bleiben. Auffällig die munteren Kinder in den Gärten und insbesondere im Schulgarten der Fröbel-Schule und im Garten von Stefanie Riepe wo sich Isabella und Medea in der Sandkiste vergnügten. Ein paar Gärten weiter erforschte Jordan, 5 Jahre Asseln und Ohrenkneifer. Hier lernt er spielend die Natur zu begreifen.

Im Vereinshaus wurden die verschiedenen Projekte des Vereins eindrucksvoll präsentiert und ein Tisch am Eingang gab einen Einblick in die Kunst des Gärtnerns. Gartenfreundin hatte Feuerbohnen so lange selektiert, bis nur noch schwarze Bohnen in den Hülsen vorkamen.

Der letzte Tag

Lüneburg gehört längst zu den Aushängeschildern des niedersächsischen Kleingartenwesens. Das gute Verhältnis zwischen Rat und Verwaltung der Stadt und den Kleingärtnern ist überregional bekannt. Ein Sanierungsprogramm für die Spielplätze, Tafelgärten, Schulprojekte und Wanderwege durch die Anlagen sind selbstverständlich. Die Anlage Moldenweg, Lüneburgs Verein mit den besten Aussichten, oberhalb des Kreidebergsees, bietet von einer Plattform einen einmaligen Blick über die Dächer der Stadt. Der Rundweg um den See führt durch die Anlage und wird von vielen Joggern genutzt, die ihre Kondition verbessern oder überzählige Pfunde abbauen wollen.

Ein paar hundert Meter weiter hinter Häusern der Siedlung Kreideberg versteckt, die Kleingartenkolonie Am Zeltberg. Gleich am Eingang liefern sich zwei Gartenfreundinnen einen alljährlichen Wettbewerb um den schönsten Garten. Die Blütenpracht ist gartenschaureif. Das Besondere in dem Verein ist aber das Kooperationsprojekt mit jobsozial, einer Einrichtung, die hier junge Menschen wieder in die Arbeitswelt integrieren will. Stolz präsentieren Nicole, Schristian und Bernd ihren Kleingarten und die Projektleiterin Landschaftsgärtnerin Corinna Baukau ist davon überzeugt, dass dieses Projekt für das Selbstwertgefühl der Jugendlichen besonders wichtig ist.

Das letzte Etappenziel Wathlingen mussten wir auf der Landkarte erst einmal suchen. In der kleinen 6300-Seelen-Gemeinde südlich von Celle wird nicht unbedingt eine Kleingartenanlage erwartet. Entstanden ist sie, als am Ort noch Kali abgebaut wurde. Und auch heute wird sie intensiv genutzt, gibt es kaum Leerstand. Die Lage ist überzeugend. Wo anders sollte man nach einem Kleingärtnerverein suchen als dort, wo die Sport- und Freizeitstätten und die Schulen des Ortes vereint sind? Da ist es selbstverständlich, dass der Verein engen Kontakt zu seinen Nachbarn hält. Der Eingang wurde neu hergerichtet. Die Kinder und älteren Gartenfreunde sollen ungefährdet vom Parkplatz in die Anlage gelangen. Das Material zahlt die Gemeinde, die Gartenfreunde erledigen die Arbeit. Der trockene Sandboden verlangt nach Wasser und so verfügt jeder Garten über einen Wasserversorgung, die aber nicht über Trinkwasser, sondern über eine zentrale Bohrung im Verein gespeist wird. Ein Garten wird von einer Kindergartengruppe genutzt. Passend lautet der Name der Kindertagesstätte „Marienkäfer“. Für die Leiterin Bärbel Christiansen ist der Name Pflicht und so war es selbstverständlich, dass die Kinder viel Freizeit im Garten verbringen.

Wer die Wahl hat ….

Am Schluss unserer Bereisung ging es an die Auswertung und wir konnten ein erstes Resümee ziehen: Wir waren beeindruckt von den Leistungen der Vereine.

Auch viele der Vertreter aus Politik und Verwaltung stellten sich stolz an die Seite ihrer Vereine.

Dabei sind die Vereine in ihren Leistungen merklich zusammengerückt.

Waren bei zurückliegenden Wettbewerben die Integration zugereister Gartenfreunde; Schul- oder Kindergartengärten, Tafelgärten und Kooperationen mit sozialen Einrichtungen, aber auch Spielplätze, Bienenhotels, Obstwiesen und andere Biotope noch herausragende, weil seltene Einzelleistungen, so gehören sie heute zum verbreiteten Angebot in den Vereinen.

Für die Vereine bedeutet dieses nicht, dass sie nach neuen Zielen Ausschau halten müssen, sie sollten diesen Weg konsequent weiter beschreiten. Aber für die Juroren bedeutet dieses, noch genauer hinzuschauen und das Besondere in dem heute fast alltäglichen zu erkennen und zu bewerten.

Die Bewertung haben wir strikt nach den Kriterien des für 2010 angekündigten Bundeswettbewerbs durchgeführt, zu dem der Erstplatzierte vom LNG gemeldet wird.

Jeder der Juroren vergab nach einer Diskussion der gewonnenen Eindrücke seine Punkte selbständig, Sie wurden am Schluss gemittelt. So ergab sich eine Reihenfolge der Vereine.

Als alle Anlagen bewertet waren, durfte jeder seine drei Favoriten ohne Zuhilfenahme der Auswertung nennen und dieses subjektive Empfinden wurde mit dem rechnerischen Ergebnis verglichen. Jeder von uns bestätigte, dass das amtliche Ergebnis so seinem Gesamteindruck über alle Vereine entspricht.

Dass alle Vereine sehr dicht beisammen lagen bestätigt das hohe Niveau der Teilnehmer.

Dennoch wird es einen Erstplatzierten geben müssen, so verlangen es die Wettbewerbsregeln. Wer es sein wird und wie es auf den weiteren Plätzen aussieht, erfahren alle Beteiligte am 5. Dezember, wenn Minister Hans-Heinrich Ehlen als Schirmherr in Hannover die Urkunden verteilt. J.R.

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Ursula Cromwell erklärt den Juroren Friedrich Grünberg (li.) und Bernd Vogel ihre Kleingartenanlage Am Brösselweg in Hameln, die Presse schreibt eifrig mit.

Gute Laune bei de Juroren Friedrich Grünberg,
 Olaf Armbruster und Bernd Vogel (v.l.)

Im KGV Bürgerfelde in Oldenburg ist Jordan, 5 Jahre, ein begeisterter Naturforscher

Die Syker Gartenfreunde haben ihren Kirchturm im Blick

Stelldichein Am Zeltberg: v.l.n.r.: Friedrich Grünberg, Vereinsvorsitzender Hans-Jürgen Ahlfeld, Dr. Karl-Heinz Rehbein und Peter Zurheide von der Hansestadt Lüneburg sowie Olaf Armbruster vom Landwirtschaftsministerium

Chillen und Schaukeln; Flora, 6 (re) und Ira, 5, genießen das Spielen am Moldenweg auf ihre Weise

Bärbel Christiansen erläutert dem Vereinsvorsitzenden Kurt Krause und Jurymitglied Friedrich Grünberg das Projekt des Kindergarten Marienkäfer.

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