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Zu den aufmerksamen Zuhörern gehörten auch die Landtagsabgeordneten Jöhrens – (CDU) und Andrea Schröder-Ehlers (SPD) sowie Armin Matzke, Präsidiumsmitglied des BDG.

Der Vortragssaal in der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Hannover-Ahlem war gut gefüllt.
Fotos: Roemer

Ein hervorragend besetztes Podium: v.l.n.r. LNG-Präsident Hans-Jörg Kefeder, Fraktionsvorsitzender Stefan Schostok (SPD), Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Erster Stadtrat Dr. Kay Brummer (verdeckt), Moderatorin Regine Stünkel, Prof. Dr. Jürgen Milchert, MdB Reinhold Sendker, Geschäftsführer LV-Westfalen und Lippe Werner Heidemann und Vorsitzender LV-Braunschweig Manfred Weiß (nicht abgebildet)

Die Zukunft unserer Kleingärten ist uns wichtig!

Darüber waren sich die Referenten auf dem Podium und die über 100 Teilnehmer aus Niedersachsen einig.
Sie hatten einen Tag lang über die Folgen des demographischen Wandels, das vermehrte Interesse von Migranten an Kleingärten, die Kostenentwicklung im Kleingartenwesen und andere Fragen diskutiert.
Auf dem Podiums saßen Vertreter aus Politik und Verwaltung, denen LNG-Vizepräsident Joachim Roemer am Ende der Veranstaltung bescheinigen konnte: „Sie kennen sich mit dem Kleingartenwesen aus! Das ist eine Wertschätzung für uns und wichtig für unsere Zukunft, denn nicht uns selber, sondern anderen muss es wichtig sein, dass es uns gibt.

Kleingartenanlagen müssen zugänglich sein

Den Referenten waren zur Veranstaltung Themen genannt worden, die für die Zukunft des Kleingartenwesens eine besondere Bedeutung haben. So setzte sich Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge dafür ein, dass Kleingärten in die Zentren der Städte gehören. „Sie müssen für jedermann zugänglich sein und sie haben eine hohe ökologische Bedeutung, denn sie mindern den CO² Ausstoß in die Atmosphäre. Projekte wie Tafelgärten und die Förderung der Schreberjugend sind wichtige Aufgaben der Verbände und Vereine.

Integrationsarbeit ist vorbildlich in unserer Gesellschaft

Stefan Schostok, Fraktionsvorsitzender der SPD Landtagsfraktion setzt sich mit der sozialen Bedeutung des Kleingartenwesens auseinander. Ein Garten ist ein Spielplatz zum Entdecken. Das ist für die Entwicklung unserer Kinder von großer Bedeutung. Integration wird in den Kleingärtnervereinen gelebt. Sie sind daher Vorbild für unsere Gesellschaft.
Die Bedeutung der Migranten für das Kleingartenwesen stellte LNG-Vizepräsident Joachim Roemer heraus. Sie haben in den vergangenen Jahren unsere Anlagen bereichert. Vielen wurde der Zugang zum Garten erleichtert, weil auch die Vereine offener, vielfältiger und bunter geworden sind. Probleme sind oft nicht andere, als mit deutschen Pächtern. Hier sollte man wesentlich gelassener sein. Gegenseitiger Respekt ist wichtig, ebenso miteinander reden, einander zuhören, dem anderen helfen. Sprachprobleme gilt es zu überwinden. Es ist wichtig, dass auch Migranten die Regeln verstehen, nur so können sie diese auch beachten.

Ver- und Entsorgung zeitgemäß gestalten

Auf die Ver- und Entsorgung einer Kleingartenanlage ging der Erste Stadtrat von Hildesheim Dr. Kay Brummer ein. Er erläuterte den Unterschied zwischen Wohnen und Erholen. Im Kleingarten steht die Erholung im Vordergrund. Aber auch dafür ist eine gute Ver- und Entsorgung erforderlich. Das beginnt mit der Erreichbarkeit der Anlage über Straßen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die sanitären Einrichtungen müssen den heutigen Anforderungen entsprechen. Dazu sind die Vereinshäuser vernünftig auszustatten. Hier ist die Kommune mit in der Pflicht. Für die Gärten gelten andere Standards. Hier reichen eine Trockentoilette und auch eine Gaslampe.
Straßenausbaubeiträge müssen erhoben werden, aber es gibt planerische Möglichkeiten den Straßenanteil des Vereins auf ein geringes Maß zu beschränken.

Abgaben und Beiträge tragfähig gestalten

Mit den Kosten beschäftigte sich Manfred Weiß, Vorsitzender des Landesverbandes Braunschweig. An Beispielen machte er deutlich, was Erschließungskosten, aber auch Straßenreinigungsgebühren und Steuern für einen Pächter bedeuten können. Er appellierte an die Kommunen mit der Übertragung von Kosten maßvoll umzugehen.

Dass kleingärtnerische Nutzung auch heute noch zeitgemäß ist, betonte Werner Heydemann, Geschäftsführer des Landesverbandes Westfalen und Lippe der Kleingärtner. Für ihn gehören aber die sozialen Leistungen auch zur kleingärtnerischen Nutzung. Soziale Leistungen und Werte sind vom Bundeskleingartengesetz geschützt. Die Vereine können und müssen hier noch viele Leistungen für ihre Kommunen erbringen.

Gestaltungsspielräume nutzen

Für den Erhalt des Bundeskleingartengesetzes sprach sich der Berichterstatter der CDU-Bundestagsfraktion für das Kleingartenwesen Reinhold Sendker aus. Kündigungsschutz und Pachtpreisbegrenzung sind zwingender Bestandteil des Gesetzes. Es ist ein Schutzgesetz für alle Kleingärtner. Aber das Gesetz regelt nicht alles. Kommunen und Vereine haben ein hohes Maß an Gestaltungsspielraum. Diesen sollten sie einvernehmlich nutzen.

Visionen und Realität

Während Prof. Dr. Jürgen Milchert von der Fachhochschule Osnabrück zu Beginn der Veranstaltung Visionen zum Kleingartenwesen im Jahre 2020 darlegte und dabei auf die Vielfalt der Gartenkultur und die zukünftigen Bedürfnisse der Menschen zum Thema Garten einging, hatte LNG-Präsident Hans-Jörg Kefeder in seiner Begrüßung auf die soziale Komponente hingewiesen. Vielen Menschen reicht ihr Einkommen kaum noch zum Leben. Wer mit einer Grundsicherung auskommen muss, kann sich aber kaum noch einen Kleingarten leisten. Hier sind wir als Verbände und Vereine gefordert. Wir müssen zu anderen Beitragsmodellen kommen, die die finanzielle Situation der Pächter berücksichtigt.

Auf individuelle Lösungen vor Ort kommt es an!

In der anschließenden Diskussion mit den Teilnehmer, die hervorragend von der Radio- und Fernsehjournalistin Regine Stünkel geleitet wurde, wurden viele Probleme der Kleingärtner noch einmal dargelegt. Alle Beteiligten waren sich aber einig, dass nicht alles im Gesetz geregelt werden kann und darf.
Wir müssen zu individuellen Lösungen vor Ort kommen. Das, was mit der Kommune und den Verpächtern vereinbart werden kann ist praxisnäher, als einheitliche Regelungen auf Bundes- oder Landesebene. Ein ständiger Dialog miteinander ist unverzichtbar.

Kleingartenwesen erlebbar gestalten

In seinem Fazit stellte Joachim Roemer noch einmal heraus, dass sowohl moderne Verbandsstrukturen für ein besseres Selbstverständnis in den Vereinen und Verbänden wichtig sei. Wir müssen unsere Verbands- und Vereinsarbeit zeitgemäß, damit sie die Akzeptanz der Mitglieder findet. Dabei ist es wichtig, zu gemeinsamen Zielen und Leitbildern zu kommen, anstatt Regeln und Ordnungen durchzusetzen. Nach außen müssen wir mit Angeboten an die Bevölkerung und sozialen Projekten wie Schul- und Tafelgärten, sowie der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen aktiv werden. Wir dürfen uns nicht auf die jährlichen Kinder- und Sommerfeste beschränken.
Wenn wir die städtebauliche, ökologische und soziale Bedeutung des Kleingartenwesens für andere erlebbar gestalten, dann können wir auch den Erhalt der Kleingartenanlagen in Wohnungsnähe, die finanzielle Förderung und die Befreiung von Abgaben einfordern.
Aber auch unseren Mitgliedern müssen wir einen zeitgemäßen Aufenthalt in der Anlage bieten, mit einer angemessenen Erschließung und mit einer Ver- und Entsorgung, die auf die heutigen hygienischen Anforderungen und auf die Altersstruktur unserer Mitglieder abgestimmt ist.
Viele der Projekte kosten Geld. Geld, das wir von anderen vielleicht nicht bekommen und das Mitglieder unter uns nicht haben. Hier gilt es Pachten und Beiträge sozial gerechter zu gestalten um allen gesellschaftlichen Gruppen den Zugang zum Garten zu ermöglichen.

Mit Zuversicht in die Zukunft schauen!

Das Ergebnis der Podiumsveranstaltung stimmt zuversichtlich. Wir haben eine Zukunft und wir haben die Möglichkeit sie selber zu gestalten. Also, packen wir es an, es gibt viel zu tun. J.R.

 

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