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Oberbürgermeister Eberhard Menzel (rechts) übergibt eine Krawatte an  Hans-Jörg Kefeder

Büffeln für die Vereinsarbeit

LNG-Vorstände trafen sich zum Wochenendseminar in Wilhelmshaven.

Einmal im Jahr heißt es für 55 Vorstandsmitglieder die Schulbank drücken. Dann referieren auf Einladung des LNG versierte Fachleute zu Themen rund um die Vorstandsarbeit.

Besonderes Interesse finden immer wieder Vorträge zur Satzung, zum Ablauf von Mitgliederversammlungen, aber auch zum korrekten Führen der Vereinskasse.

Mit den Rechtsanwälten Antje Weigel-Witzler aus Hannover, Karsten Duckstein aus Magdeburg und Hans-Jörg Kefeder aus Delmenhorst referierten ausgesprochene Experten des Kleingartenrechts.

Schauen Sie in die Satzung!

Karsten Duckstein brachte gleich zu Beginn auf den Punkt: „Vereinsrecht ist ganz einfach! Machen Sie das, was in Ihrer Satzung steht. Dort ist alles geregelt, sie ist quasi das Grundgesetz des Vereins. Die im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) für die Vereine massgeblichen Paragraphen lassen in den meisten Fällen Spielräume zu und so ist es wichtig nachzulesen, was der Verein dazu beschlossen hat. Dieses gilt insbesondere für die Rechte und Pflichten der Mitglieder, für Mehrheitsverhältnisse bei Wahlen, aber auch bei der Frage nach Beiträgen und Umlagen. Wichtig ist aber auch, so Duckstein, dass zum Beispiel die Festlegungen der Abgabenordnung wörtlich in die Satzung übernommen werden. Dann gibt es mit der steuerlichen Gemeinnützigkeit bei den Finanzämtern keine Probleme.

Nur in wenigen Fällen ist das BGB verbindlich. Regelungen im  Bundeskleingartengesetz sind insbesondere auf die Pachtverhältnisse anzuwenden und nicht auf die Mitgliedschaft im Verein ausgerichtet.

Es gibt Regelungsmöglichkeiten, die der Verein zur Vereinfachung seiner Verwaltungsaufgaben nutzen kann. So kann zum Beispiel in der Satzung festgelegt werden, dass Mitglieder aus der Mitgliederliste gestrichen werden können, wenn sie an einer festgelegten Anzahl von Vereinsveranstaltungen unentschuldigt nicht teilgenommen haben oder wenn sie mit dem Beitrag trotz zweimaliger Mahnung im Rückstand sind. Das erspart dann langwierige Ausschlussverfahren. Es muss aber berücksichtigt werden, dass diese Regelungen keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Pachtvertrag haben. Eine weitere Möglichkeit gegen unzuverlässige Mitglieder ist die Festlegung von Vereinsstrafen. So kann zwischen zuverlässigen und unzuverlässigen Mitgliedern unterschieden werden ohne gleich mit Ausschluss drohen zu müssen.

Versammlungen richtig vorbereitet und durchgeführt

Auch Rechtsanwältin Weigel-Witzler hob die Bedeutung der Vereinssatzung hervor. Bei der Durchführung von Mitgliederversammlungen, dem Rechenschafts- und Kassenbericht, dem Bericht der Revisoren (Kassenprüfer), der Entlastung des Vorstands bis zu den Vorstandswahlen, gibt die Satzung klare Anweisungen wie zu verfahren ist. Darf ein Verein Umlagen beschließen? Wie viel Gemeinschaftsarbeit muss geleistet werden? Wer legt die Beiträge fest? Die Satzung gibt Auskunft. Auch zur Frage der Tagesordnung sind klare Regelungen notwendig: Wer darf Anträge stellen? Darf über Anträge entschieden werden, die nicht in der Einladung standen? Und wie ist es mit Beitragserhöhungen, wenn sie vorher nicht angekündigt waren.

Den Teilnehmern wurde sehr bewusst, dass sie bei der Vorbereitung und Durchführung der Jahreshauptversammlung sehr sorgfältig sein müssen.

Eine gute Versicherung ist unverzichtbar

Hans-Jörg Kefeder, zugleich Präsident des LNG, führte die Zuhörer in die Fragen der Haftung des Vereins und des Vorstands ein. Nach einer Neuregelung des BGB haftet der Vorsitzende nicht mehr alleine für fehlerhafte Vereinsführung. Es besteht jedoch nach wie vor ein hohes Risiko auch für fahrlässige Fehler, so dass jedem Vorstand empfohlen wird, eine Vermögensschadenhaftpflicht-Versicherung abzuschließen.

Die Kasse, kein Buch mit sieben Siegeln

Über das Kassenwesen sprach der neue Schatzmeister des LNG Achim Lampe aus Hildesheim. Fachlich korrekt und dennoch launig erläuterte er den Zuhörern, was bei der Kassenführung und insbesondere beim Mahnwesen wichtig ist. „Zuerst bin ich noch ganz höflich, erkläre dem Mitglied warum ich Beiträge und Pachten von ihm zum Jahresbeginn haben möchte. Dann schreibe ich auch `liebes Mitglied´, “ erklärte Lampe. „Wenn aber nach der Zahlungserinnerung immer noch keine Überweisung erfolgt ist werde ich ernster. Dann steht dort ´Sehr geehrter Herr ....´, und das bedeutet, wenn immer noch kein Geld fliesst, muss notfalls auch einmal der Gerichtsvollzieher bemüht werden.“

Für manche Ohren klang das etwas dramatisch, aber schliesslich verwaltet der Schatzmeister die Gelder aller Vereinsmitglieder und dazu gehören auch korrekte Geldeingänge.

Genau so korrekt muss sich der Schatzmeister – oder Kassenführer, wie er in vielen Vereinen heisst – auch bei der Kassenführung und dem Rechnungsabschluss verhalten. „Das Mitglied hat ein Recht darauf zu erfahren, was mit  seinen Beiträgen passiert. Und alle drei Jahre lässt sich das Finanzamt die Belege vorlegen um die Gemeinnützigkeit des Vereins und damit die Steuerbefreiung zu prüfen.

Da muss alles seine Ordnung haben. Damit es den Mitgliedern einfach fällt, Haushaltplan und Kassenbericht zu verstehen empfiehlt Lampe, dass beide den gleichen Aufbau haben, die Zahlen also gut vergleichbar sind. In seinem Kassenbericht muss der Kassierer den Jahresabschluss und die Abweichungen zum Haushaltsplan darlegen und begründen, warum es zu eventuell höheren Ausgaben gekommen ist und wie diese durch Einsparungen an anderer Stelle ausgeglichen wurden.

Wie korrekte Rechnungen, aber auch Zahlungserinnerungen und Mahnungen aussehen erläuterte Lampe anhand von Beispielen aus dem Bezirksverband Hildesheim. Diese Vordrucke sind als Service des Landesverbandes im Internet eingestellt (www.gartenfreunde-niedersachsen.de)

Hier werden zu einem späteren Zeitpunkt auch die Vorträge veröffentlicht.

Besuch vom Oberbürgermeister

Das die Veranstaltung des Landesverbandes auch in der Stadt Wilhelmshaven Aufmerksamkeit erzielte machte der Besuch von Oberbürgermeister Eberhard Menzel deutlich.

Er überbrachte die ganz herzlichen Grüsse des Rates und der Verwaltung der Stadt. Es viel leicht seinen Worten zu glauben, dass zwischen der Stadt und den Kleingärtnern eine enge Verbundenheit besteht. Mit Stolz erklärte Menzel, dass die Wilhelmshavener Gartenfreunde auf über einer Million Quadratmetern Land bewirtschaften, damit Grünanlagen kostenlos pflegen und viel für die Gemeinschaft und das soziale Miteinander in der Stadt tun.

Kultur mit Admiralsgeleit

Zu einem guten Seminar gehört  auch ein ansprechendes Kulturprogramm. Aber auch das kann mit Bildung eng verbunden sein. So hatte der Stadtkreisverband Wilhelmshaven zusammen mit dem Kleingärtnerverein Rüstringen einen Besuch im Marinemuseum mit einer Barkassenfahrt auf dem Museumsschiff vereinbart.

Ein echter Admiral führte die Gartenfreunde zu den ausgestellten U-Booten und Fregatten und erläuterte im Museum die Entwicklung der deutschen Marine. Das nasskalte Wetter machte allen deutlich, dass die Seefahrt nicht immer Vergnügen ist. Für Landratten war die Enge der Schiffe auch so schon bedrückend genug. Niemand mochte daran denken, wie es bei einer wochenlagen Fahrt auf See wäre und schon gar nicht unter Einsatzbedingungen an den Krisenherden der Welt.

Dafür wurde es am Abend im Heim 2 des KGV Rüstringen gemütlich und die Erfahrungen des Seminars konnten in geselliger Runde noch einmal vertieft werden.

Dem LNG ist die Aus- und Weiterbildung der Verbands- und Vereinsvorstände sehr wichtig, und so wurde das Versprechen von Präsident Kefeder mit Applaus aufgenommen, dass es auch im nächsten Jahr wieder eine Schulung geben wird. (J.R.)

 

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