Varusschlacht im Teutoburger Wald– Museum und Park Kalkriese im Osnabrücker Land

Es ist schon schöne Tradition, anlässlich unserer Wochenendseminare historische Orte und Museen zu besuchen.

So hatten wir uns für unser diesjähriges Wochenendseminar, welches vom 31.10. bis zum 02.11.2014 in Bad Essen stattfand, eine Besichtigung mit Führungen in Kalkriese / Bramsche im Osnabrücker Land vorgenommen.
Im Museum Kalkriese werden Fundstücke gezeigt, die belegen sollen, dass die Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr. dort stattgefunden hat. Es gibt mehrere Orte, wo entsprechende Fundstücke aus der Zeit der römischen Belagerung gefunden wurden, aber viele Archäologen sind sich einig, dass der Ort Kalkriese am wahrscheinlichsten der Ort der Varusschlacht ist.

Was passierte in der Varusschlacht?
Die Römer hatten unter Kaiser Augustus große Teile Germaniens besetzt. Das Römische Reich reichte im Norden bis an den Rhein und es sollte versucht werden, auch das rechtsrheinische Gebiet unter die römische Herrschaft zu bringen. Bei Raubzügen wurden Kinder verschleppt und nach Rom gebracht, wo diese Kinder als Sklaven arbeiten mussten. Einige aber, die sich dem System anpassten, erhielten Privilegien. So auch der Cherusker Arminus, der bei den Römern sogar zum Soldaten ausgebildet wurde und so Kampftechniken und Strategien der Römer kennenlernte. So war Arminus auch mit seiner Legion am Rhein stationiert. Eine Legion bestand in der Regel aus 3.000 bis 6.000 Soldaten sowie eine kleiner Reitereinheit und Gespanne mit Ausrüstung wie Verpflegung, Zelte etc. Mit Arminus waren drei Legionen stationiert, man geht von 15.000 Soldaten aus. Diese Legionen marschierten in Gruppen von 80 Personen, in Reih und Glied 10 Personen nebeneinander in 8 Reihen. Diese Achterreihe, die hintereinander marschierte, teilte sich auch ein Zelt. Diese Gruppe kochte für sich und war für die Einteilung der Nachtwache für das eigene Zelt selber zuständig. Wer Wache halten musste, wurde oft „ausgeknobelt“.

So kann man sich vorstellen, dass drei Legionen in Marschformation ein Gegner ist, der schwer zu überwinden ist. Auch die Ausrüstung, die jeder Legionär bei sich trug, war der Ausrüstung der Germanen überlegen. Die Römer hatten Kettenhemden, Helme, einen Schild, ein Schwert und das Pilum, einen Speer. Als Bekleidung ein Hemd unter dem Kettenhemd, welches bis zu den Knien reichte, keine Hosen, gegen die Kälte nur einen Umhang und sogenannte Nagelschuhe aus Leder.

Die Cherusker dagegen waren durch ihre Bekleidung viel beweglicher. Sie trugen Hosen und Oberbekleidung, Riemenschuhe aus Leder, die Bewaffnung bestand aus einem Schild, einem Schwert, einige waren mit Schleudern ausgerüstet, mit denen sogenannte Schleuderbleie gegen den Gegner geschleudert wurden. Dass diese Schleuderbleie bei Treffern an den Kopf des Gegners unweigerlich zum Tode führten, ist wahrscheinlich. Vor allem waren diese Schleuderbleie in der Luft lautlos und verursachten Panik, wenn ein Legionär dadurch getroffen wurde.

Arminus hatte Kontakte zu den Cheruskern geknüpft und erreicht, dass sich andere germanische Stämme den Cheruskern im Kampf gegen die Römer anschlossen. In einer normalen Gefecht Situation wären die Cherusker mit ihren Verbündeten den Römern hoffnungslos unterlegen gewesen. So griffen die Cherusker die Römer an unübersichtlichen Stellen in Waldgebieten an, wo die Römer durch die Gegebenheiten der Umgebung gezwungen waren, ihre Aufreihung in der Marschformation zu verändern. So marschierten nicht 10 Soldaten in einer Reihen, sondern vielleicht nur drei oder vier nebeneinander. Die Cherusker lagen im Hinterhalt, griffen den Gegner von den Seiten her an und konnten sich schnell wieder zurückziehen. Durch diese Überraschungsangriffe gerieten die Römer in Panik, ihre kleine Reitereinheit war in den Wäldern nutzlos. So wurden die Legionen der Römer vernichtet. Der römische Feldherr Varus stürzte sich in sein eigenes Schwert als er sah, dass der Kampf verloren war. Als die Nachricht vom Verlust der Schlacht in Rom ankam, soll Kaiser Augustus gerufen haben: „Varus, gib mir meine Legionen wieder!“

Die Soldaten, die nicht von den Cheruskern getötet wurden, töteten sich oft selbst, da sie bei einer Rückkehr nach Rom als Fahnenflüchtige dort mit dem Tode bestraft worden wären.

Nicht nur das Museum, sondern auch „Der Archäologische Park“ lohnen einen Besuch. In diesem Park wird der wahrscheinliche Verlauf der Varusschlacht mit Wallanlagen, Hinterhalt und Pfaden nachempfunden. Drei Pavillons „Sehen“, „Hören“, „Fragen“ sind interessante Wahrnehmungshilfen, die den Besucher für die Geschehnisse an dieser historischen Stätte sensibilisieren.

Ein Besuch in Kalkriese ist sehr zu empfehlen. Bitte reichlich Zeit einplanen und möglichst im Vorfeld eine Führung buchen, um die entsprechenden Informationen zu den Ausstellungsstücken zu erhalten. Wer dies nicht möchte, kann sich seine Informationen auch von Hinweistafeln und Audiostationen erarbeiten.

Brigitte Steckert

 

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Bilder vom Besuch in Kalkriese

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