Das Jahr 2015 stellt uns vor neue Herausforderungen

Die Weihnachtspost des vergangenen Jahres war versehen mit einem Zitat von Sören Kierkegaard: “Das Leben kann nur in der Rückschau verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden.“ Der dänische Philosoph hat mit diesem Sinnspruch vieles ausgedrückt, was ansonsten langer Worte bedurft hätte. Wenn wir zur Jahreswende nach vorne blicken um zu überlegen, was auf die Kleingärtner in Niedersachsen zukommt, dann kann dies nur  einhergehen mit einem Rückblick auf die Aufgaben, denen wir uns in den vergangenen Jahren, speziell im Jahre 2014, stellen mussten.

Noch ganz stolz blicken wir zurück auf den Wettbewerb „Gärten im Städtebau“ 2014. Hier hat als Niedersachsen-Sieger der Verein Gartenfreunde Bockfeld e.V. aus Hildesheim die Landesfarben hochgehalten. Die errungene Goldmedaille ist mehr als Lohn für eine jahrelange Arbeit gewesen, die durch die Auszeichnung zum Ausdruck kommt. Wie diese Anlage zeigt, kommt es nicht darauf an mit neuen Wegen, teuren Spielgeräten oder exklusiven Wasser- und Stromanschlüssen zu punkten. Ausschlaggebend für die goldene Auszeichnung war das eingebunden Sein dieser Kleingartenanlage in die städtische Infrastruktur und Wohnumgebung. Menschen aus neun Nationen verbindet hier der gemeinsame Spaß am Gärtnern. Ein wirklich tolles Beispiel und ein Mut machen für alle diejenigen, die auch in Zukunft an diesem Wettbewerb teilnehmen wollen. Er stärkt nicht nur das Wir-Gefühl innerhalb der Anlage, sondern er ist wesentlicher Beitrag das Kleingartenwesens als Teil der städtischen Kultur zu verteidigen.

Wer nicht den Mut hat, sich als Kleingärtner darzustellen, läuft Gefahr, übersehen zu werden, wenn andere Interessen zugreifen wollen. Noch spüren wir den Druck des Wohnungsbaus, der gerade vor den Kleingartenanlagen nicht Halt macht, in Niedersachsen nur gelegentlich. Wenn auch die Bevölkerung insgesamt nicht wächst, so verändern sich doch die Ansprüche an zeitgemäße Wohnungen in allen Bevölkerungsschichten. Dazu gehört aber auch das Wohnumfeld, zu dem neben Sport und Kultur auch der städtische Kleingarten wichtig ist. Der Umzug in eine neue Wohnung ist für viele nur dann ein Erlebnis, wenn in dieser Umgebung die Erholung im Kleingarten möglich ist.

Andererseits verschließen wir die Augen davor nicht, dass durch Strukturänderungen auch in Niedersachsens Städte es hier und da zu einem Überhang an Kleingärten gekommen ist. Wenige Städte und Gemeinden haben zurzeit mehr Kleingärten als nachgefragt werden. Teilweise sehen die Innenstädte ähnlich aus, auch hier stören leere Läden in einer Einkaufszeile. Diesen Problemen müssen wir uns stellen, indem wir mit den Verwaltungen versuchen, leere Gärten anders nutzbar zu machen, Kleingartenanlagen umzubauen oder sogar freie Gärten an den Eigentümer zurückgeben. Dies sagt sich so leicht, gleichwohl müssen wir in diese langwierigen Prozesse angehen und mit den betroffenen Kleingärtnerinnen und Kleingärtner nach Lösungen suchen. Anders als in den neuen Bundesländern ist dieses Problem kein flächendeckendes in Niedersachsen. Es tritt nur dort auf, wo sich strukturelle Veränderungen im Arbeitsumfeld und Arbeitsangebot aufgetan haben. Dafür sind die Kleingärtner nicht verantwortlich, aber sie müssen damit leben.

Das Jahr 2014 hat uns Dank einer finanziellen Förderung durch die Landesregierung viel Raum für intensive Schulungsarbeit der Vorstände aus den Vereinen und Verbänden gegeben. Wir freuen uns als Landesverbandsvorstand, dass wir so helfen können, die Arbeit in den Vereinen und Verbänden leichter zu machen. Auch für das Jahr 2015 erwarten wir ähnliche Zuschüsse. Wir werden Sie mit den Gartenfreunden des Landesverbandes Braunschweig und des Landesverbandes Ostfriesland sinnvoll ausgeben, um den Vorständen Mittel und Wege aufzuzeigen, wie ihre verantwortungsvolle Arbeit zu schaffen ist. Im Mittelpunkt dabei soll das Verhältnis zu jeder Gartenfreundin oder jedem Gartenfreund stehen, damit das Leben im Kleingarten so reibungslos wie möglich und so solidarisch wie nötig gewährleistet wird.

Zum 25. April 2015 wird der Vorstand des Landesverbandes Niedersächsischer Gartenfreunde zu seinem siebten Verbandstag nach Wilhelmshaven einladen. Hier werden inhaltlich neue Ziele vorgegeben. Der Verband ist nach seiner Reaktivierung, die aufgrund des Niederganges 1994 notwendig geworden ist, jetzt wieder stabil aufgestellt. Die Leistungen, die über die kleine Geschäftsstelle des Landesverbandes und die ehrenamtliche Arbeit der Vorstandsmitglieder erbracht wurden, können so kaum noch gesteigert werden. Über die Zeitung „Gartenfreund“, die Organisation eines bezahlbaren Versicherungssystems, das permanente Auftreten in der Öffentlichkeit zwecks Behauptung der Kleingartenanlagen, die oben erwähnte ständige Schulungsarbeit, die fachliche und juristische Beratung der Vorstände und Fachberater und nicht zuletzt ein funktionierender Kontakt zu Politik und Verwaltung, müssen stetig forciert werden. Langfristig muss man sich auch in Niedersachsen, wie in nahezu allen anderen Landesverbänden, die im Bundesverband Deutscher Gartenfreunde organisiert sind, Gedanken machen, ob neben der ehrenamtlichen Tätigkeit auch eine professionelle Geschäftsführung erforderlich ist.

Der bevorstehende Landesverbandstag wird auch personell Veränderungen bringen. Dieses ist gut so. Nichts wäre schlimmer, als würde man den Vorstandmitgliedern nachsagen, es wäre doch endlich an der Zeit zu gehen um Jüngeren Platz zu machen. Neue Ideen und Erfahrungen sollten im neuen Vorstand zusammenkommen. Wenn diese Mischung gelingt, wird sich das Kleingartenwesen in Niedersachsen auch weiterhin positiv darstellen und entwickeln.

Am allerwichtigsten aber ist es, dass sie liebe Mitglieder, ihren Kleingarten behalten, solange sie es wollen und Spaß an der gärtnerischen Betätigung in Ihrem Wohnumfeld haben. Auch wollen wir neue Freunde gewinnen und müssen von alten Gartenfreunden Abschied nehmen. Das gehört zusammen. Wir sind in Niedersachsen bisher weitestgehend von so schweren Eingriffen der Natur, wie sie in den letzten Jahren wiederholt durch sogenannte Jahrhundert-Hochwasser in anderen Bundesländern aufgetreten sind, weitestgehend verschont geblieben. Das wünsche ich uns auch weiterhin. Gärtner wissen, dass nicht nur Sonne zum Gärtner hört, sondern auch Wind, Regen und Schnee. Wäre es wirklich so schön, wenn wir die Natur immer nur in Maßen erleben würden? Unser negativer Einfluss auf die Natur beschert uns nichts Gutes. Lasst uns dazu beitragen, ihn weiter zurückzunehmen.

Wir wünschen uns allen ein Gartenjahr, an das wir später gerne zurückdenken.

Hans-Jörg Kefeder
Präsident des Landesverbandes Niedersächsischer Gartenfreunde e.V.

 

Banner LNG 26_05_2015_1