LNG Fachberaterseminar 2011 in Celle

Wertermittlung, Orchideenschau, Düngemittel und Gehölzveredelung

Gfd Peter Kahle, im LNG zuständig für die Fachberatung, begrüßte 37 Bezirksfachberater zu einem Wochenendseminar in Celle. Gleich zu Beginn des Seminares nahm Peter Kahle die Gelegenheit wahr die anwesenden Fachberater aufzufordern sich zu melden um ihrerseits Referate bei den nächsten Treffen bzw. Seminaren zu halten. Er bat alle sich mit ihrer Mailanschrift und den möglichen Referatsthemen in eine Liste einzutragen. Der Aufbau des Fachberaterpools im LNG soll auch für einen regen Interessenaustausch dienen. Hier soll z.B. bekannt gemacht werden, in welchem BV ein Fachberatergrundkurs, Baumschnittseminar oder andere Fachberater spezifische Themen durchgeführt werden. Sinn des Ganzen ist es, dass die Verbände gemeinsame Aktionen starten können.

Wertermittlung, ein nicht enden wollendes Thema.

Der Vorsitzende des BV Celle Udo Thiel begrüßte im Namen des BV die anwesenden Fachberater und hielt daran anschließend ein Referat über das Thema Wertermittlung.

Wichtig für die Wertermittlung ist es, Kenntnisse im Baurecht, Laubenbau, Wegebau Obstanbau, Ziergehölzen, Stauden und Blumen zu haben. Hierzu gehört auch, das die Bebauungspläne der Kleingartenanlage sowie die Baugenehmigungen für zu bewertende Gartenlaube den Wertermittlern bekannt sind. Auch die in den Kleingärtnervereinen durchaus differierenden Bauordnungen müssen den Wertermittlern bekannt sein, denn hier ist festgehalten, welche Größe eine Laube in dem Verein haben darf.

Bei der Bewertung der Laube ist eine genaue Dokumentation, mit einer Grundrissskizze in der die Laubenmaße einzutragen sind und Bilder der Laube, unvermeidlich. Hier sind  eventuell festgestellte Mängel genauso festzuhalten wie die Tatsache ob es sich um eine Steinlaube mit ½ , ¾ oder ganzen Stein oder um eine Holzlaube mit und ohne Wärmedämmung handelt. Nicht ganz unerheblich ist auch die Beschaffenheit des Laubendaches. Handelt es sich um ein einfaches mit Pappe oder ein mit Ziegeln gedecktes Dach? Was ist zu berechnen, wenn es sich um ein Eternitdach handelt? Ist das Dach wasserdicht oder regnet es schon durch? Gerade im Bereich der Laubendächer gibt es einige neue Varianten wie Gras- oder Reetdächer, die in den Wertermittlungsrichtlinien nicht beschrieben sind. Weitere Neuerung sind Solaranlagen auf den Gartenlauben. Neuerungen und Tatsachen, denen sich ein Wertermittler vor Ort stellen muss.

Aber nicht nur die Gartenlaube muss bewertet werden. Auch beim Wegebau ist einiges zu beachten. So ist festzuhalten wie die Wege im Garten verlaufen, welche Länge und Breite sie haben und ob es sich z.B. um ein Betonpflaster, Klinker- oder Plattenweg handelt.
Den Wert eines Baumes zu ermitteln ist ebenfalls nicht immer einfach. Denn meistens  wissen die Gartenpächter nicht wie alt die Obstbäume in ihrem Garten sind und wenn dann auch noch von dem ermitteltem Wert etwas abgezogen wird wegen falschem Schnitt, dann aber „Hallo“. Denn, dass geht gegen jede Kleingärtnerehre.

Stauden werden bei der Wertermittlung nach normalen und Prachtstauden unterschieden. Einfachstes Merkmal für eine Prachtstaude ist, dass sie in der Mitte nicht vertrocknet ist und sich dort noch Blüten zeigen. Normale Stauden verwelken in der Mitte und blühen dort nicht mehr. Bei den Blumen bzw. Blumenzwiebeln ist der Wertermittler auf die wahrheitsgemäßen Aussagen des Pächters angewiesen. Denn Osterglocken und Tulpen sind bei einer Wertermittlung im August nicht mehr zu sehen. Wichtig ist hier, dass man sich die Aussagen des Pächters schriftlich abzeichnen lässt.

Das es bei der Wertermittlung diverse regionale Unterschiede gibt zeigte die abschließende Diskussion. So werden in dem einen Verband Gewächshäuser bewertet in dem anderen nicht. Allerdings werden dort dann die Feuchtbiotope mit in die Wertermittlung aufgenommen, während man anderenorts wieder die Wasserpumpen bewertet.

Als Fazit wiederholte Udo Thiel seine Worte von einem nicht enden wollenden Thema und mahnte an, dass Wertermittlungen immer mit mindestens zwei Personen durchgeführt werden müssen, dass das Wertermittlungsprotokoll von allen beteiligten Wertermittlern, einem Vorstandsmitglieder und dem abgebenden Gartenpächter zu unterschreiben ist und das die Vorstände es nicht versäumen mögen, ihre Wertermittler zu versichern. Denn, Fehler passieren auch den Besten.

Der zwischenzeitlich von einer BDG Veranstaltung zu den Fachberatern gewechselte Präsident des LNG Hans-Jörg Kefeder, musste feststellen, dass das Thema Wertermittlung recht lebhaft diskutiert wurde. Neuerungen in diesem Bereich der Wertermittlung müssen rechtzeitig erkannt und in die Richtlinien eingearbeitet werden. Erfahrungsaustausch ist deshalb gerade in der Fachberatung sehr wichtig.

Die Farben und Artenreiche Welt der Orchideen.

Frau Astrid Kuhwald, Mitarbeiterin im Orchideen Zentrum Celle, führte die Fachberater am Nachmittag durch die farben- und artenreiche Welt der Orchideen. Ein Videovortrag zeigte zu Beginn der Führung die so exotischen wie pflegeleichten Pflanzen und deren Züchtung. Danach ging es knapp 90 Minuten durch einen kleinen Teil der insgesamt 10.000 m² großen Gewächshausfläche. Zuerst hatte Frau Kuhwald einige Umpflanz- und Pflegetipps parat. Danach zeigte sie besondere Orchideenarten, wie zum Beispiel den Frauenschuh mit Namen „Pinocchio“ der seinen Blütenstiel erst verlängert nachdem die erste Blüte erkennbar ist. Erstaunt waren die interessiert zuhörenden Fachberater, dass Orchideen mindestens 4 Jahre, einige Sorten sogar bis zu 7 Jahre benötigen um zum ersten Mal zu blühen und das es nach der Bestäubung neun Monaten dauert, bis eine neue Orchideenpflanze entstanden ist. Im Versand-, Schau- und Verkaufsraum des Orchideenzentrums waren abschließend einige besondere Exemplare zu bestaunen und auch käuflich zu erwerben.

Längere Blühdauer, vitale Pflanzen und sehr gute Erträge.

Im Vereinsheim des KGV Karrenweg begrüßte der Vorsitzender Martin Ufferfilge die Fachberater zu einem gemeinsamen Abendessen mit Informationsaustausch.

Davor allerdings hielt Uwe Lippeck, Inhaber der Firma Delaplant, einen Vortrag über sein Produkt. Delaplant, sagte Uwe Lippeck, ist ein Langzeitdünger der für Haus und Garten anwendbar ist. Es ist ein neuer organisch-mineralischer Universaldünger, der auf Gütekompost basiert. Durch die organische Substanz von Delaplant werden die Bodenbakterien vermehrt und die Nährstoffreserven des Bodens wieder hergestellt. An einigen Bildern zeigte er die Erfolge auf, die mit dem Dünger Delaplant bisher erzielt worden sind.

Gut verbunden ist als halb gewonnen.

Mit diesem Satz startete Siegfried Schmidt, Vorsitzender des Kreisverbandes Friesland der Kleingärtner, sein Referat über Veredelungstechniken bei Gartengehölzen. Zuvor schon hatten einige Fachberater den bereitgestellten Schautisch mit dem entsprechendem Werkzeug sowie Anschauungsmaterial für die Gehölzveredelung unter die Lupe genommen und Siegfried Schmidt musste schon vor Beginn seines Referates diverse Fragen beantworten. In seinem eigenen Garten sagte er, wachsen zwei Apfelbäume mit je acht verschiedenen Apfelsorten.

Das Wichtigste beim Veredeln ist allerdings das richtige Handwerkszeug. Ohne ein scharfes Okuliermesser mit oder ohne Rindenlöser, einem Kopuliermesser und einer Kopulierhippe sowie einem belgischen Block zum Abziehen der Messer geht gar nichts. Natürlich gehört auch eine gute Säge, eine gute Gartenschere sowie Bast und Veredelungswachs zu den dringend benötigten Arbeitsmitteln. Auch eine Hochprozentige Lösung zum Säubern der Arbeitsgeräte sollte vorhanden sein.

Aber nicht nur das Werkzeug ist wichtig, sondern auch die richtige Methode zur richtigen Zeit ist ein wichtiger Faktor. Augen- oder Reiserveredelung sowie Rindenpfropfen ist jeweils nur in bestimmten Zeiträumen möglich. Auch können nur gleiche oder verwandte Pflanzenarten (z.B. Apfel auf Apfel, Birne auf Quitte) miteinander veredelt werden.

Zum Gelingen einer Gehölzveredelung bedarf es einer sauberen und sorgfältigen Arbeit sowie einer guten Vorarbeit. So sind Schnittstellen nach dem Absägen mit einem Messer glatt zu schneiden, und es ist darauf zu achten, dass die Schnittstellen nicht mit den Fingern berührt werden. Edelreiser müssen während der Saftruhe bereits in den Monaten Dezember bis Januar geschnitten werden. Die Edelreiser sollten dann an einer schattigen Stelle in einer 40 cm tiefen Erdgrube in feuchten Sand eingelegt und abgedeckt werden. Zu beachten bei Gehölzveredelungen ist, dass die Veredelungsstellen gut mit Veredelungswachs verstrichen werden. Zum Erfolg einer Veredelung gehört auch eine notwendige Nachbehandlung. So ist der Bast nach dem Anwachsen (4 bis 6 Wochen) auf zu schneiden, Neuaustriebe der alten Sorte sind an den Pfropfköpfen zu entfernen, da das Edelreis die höchste Stellung am Ast behalten muss. Zugäste sind im Folgewinter zu entfernen oder auch zu veredeln. Auch die Kontrolle des Edelreises auf Schädlingsbefall darf nicht vergessen werden.

Anhand von Zeichnungen und Bildern zeigte Siegfried Schmidt dann wie die verschiedenen Veredelungstechniken in der Praxis aussehen und erklärte die Unterschiede bei den einzelnen Techniken.

Siegfried Schmidt beendete sein Referat mit den Worten: Lassen Sie sich nicht entmutigen. Sie können Misserfolge im Folgejahr noch einmal korrigieren. Und auch bei der Gehölzveredelung gilt, „Übung macht den Meister!“.

Resümee

Gfd Peter Kahle hielt fest, dass das nach einer längeren Durststrecke wieder durchgeführte Fachberaterseminar eine sehr gute Gelegenheit war Fachthemen wie Wertermittlung und Gehölzveredelung intensiv zu diskutieren und sich über diese und andere Themen auszutauschen. Eine Fortführung der Fachberaterseminare wird es zukünftig ein mal pro Jahr geben. Er bedankte sich bei den Referenten für ihre sehr guten Vorträge, beim KGV Karrenweg für das zur Verfügung stellen des Vereinsheimes und bei seinen Helfern aus dem LNG für die Mithilfe bei Vorbereitung und Durchführung des Seminares. Mit dem Hinweis auf den „Tag der Gärten“ am 01. Mai in Bad Zwischenahn schloss er das Seminar und wünschte allen eine gute Heimfahrt.
B.B.

 

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Gfd Peter Kahle begrüßt die Fachberater und eröffnet das Seminar

Gfd Udo Thiel referiert über die Wertermittlung

Frau Astrid Kuhwald erklärt die Pinocchio Orchidee

Orchideenvielfalt soweit das Auge reicht

Der Vors. des KGV Karrenweg
Martin Ufferfilge begrüßt die Teilnehmer im Vereinsheim

Pflegetipps von Frau Astrid Kuhwald

Die Fachberater lauschen interessiert dem Vortrag von Frau Kuhwald über die Zucht von Orchideen

Die Teilnehmer bei der Ankunft im KGV Karrenweg

Orchideenvielfalt soweit das Auge reicht

Schautisch mit den notwendigen Utensilien zur Gehölzveredelung

Schon vor dem Referat musste Siegfried Schmidt Neugierigen Auskunft erteilen

Gfd Siegfried Schmidt referiert über Methoden der Gehölzveredelung

Schautafeln mit Veredelungsmethoden

Die Teilnehmer hören den Beiträgen interessiert zu

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