Gartenfreunde treffen sich auf dem Kaldenhof

Expertenforum des Wächter-Verlags mit großer Resonanz

Hildegard Marquard, Bezirksfachberaterin aus dem Verband Hannover (Land) war begeistert über die hervorragenden Fachvorträge und den eindruckvollen Schaugarten. Sie gehört zu den regelmäßigen Teilnehmerinnen des Gartenfreunde-Expertenforums. Ihr Favorit bei den Gemüsen ist in diesem Jahr der Kopfsalat Salanova in den Sorten Seneca (grün) und Gaugin (rot).

Wenn der Wächter-Verlag, Bremen und die Firma Kiepenkerl, Münster zum Gartenfreunde-Expertenforum einladen, dann strömen Landes-, Bezirks- und Vereinsfachberater und interessierte Gartenfreunde zum Kaldenhof nach Münster.

Die eintägige Veranstaltung mit einem bunten Mix hervorragender Vorträge und kundiger Führungen durch die Versuchsfelder entwickelt sich zu einer beliebten Sommertradition.

Die Kulisse des Kaldenhofes mit den Versuchsflächen der Firma Kiepenkerl ist hervorragend geeignet, die Planungen für die nächste Gartensaison zu beginnen.

In großer Anzahl, aber wohlgeordnet und beschildert, stehen Sommerblumen, Gemüse und Kräuter nebeneinander.

Hier wird der Beweis angetreten, dass die Bilder im Katalog nicht geschönt sein müssen. Allerdings trägt guter Boden, ausreichend Dünger und Wasser und die kundige Hand der Gärtner vieles zum Gelingen bei.

Es wird schwer sein, sich für den eigenen Garten zu bescheiden. Aber die Vielfalt garantiert auch, dass im eigenen Garten nicht Einförmigkeit herrschen muss, sondern ein steter Wechsel das Gartenleben sehr Abwechslungsreich gestalten kann.

„Erfolgreich und nachhaltig gärtnern mit der Natur“ stand im Mittelpunkt der Vortragsreihe, der das trübe, regnerische Wetter schnell vergessen lies.

Es geht nichts ohne gute Bodenpflege, den richtigen Standort, eine sorgfältige Pflanzenpflege und die richtige Wasser- und Düngergabe. Feucht-warme Witterung beschleunigt die Ausbreitung von Pilzen und wenn zum Beispiel Tomaten über die Blätter und nicht nur an der Wurzel begossen werden, dann ist der Befall mit Braunfäule oder Mehltau beinahe garantiert.

Tolerantes und Resistentes Saatgut erkennen

Bei der Auswahl des geeigneten Saatgutes lässt sich dass Befallsrisiko durch insbesondere Pilzerkrankungen, aber auch z.B. Läuse am Salat drastisch reduzieren und manchmal auch komplett verhindern. Die resistenten Sorten sind auf den Saatguttüten gekennzeichnet. Im Gegensatz zur Toleranz, wo der Befall nur vermindert auftritt, ist die Resistenz eine Garantie für gesunde Pflanzen.

Bernd Wenninghoff, Koordinator der Kiepenkerl Profi-Line Pflanzen stellte eine Auswahl geeigneter Sorten vor. Allerdings kann es trotz fortschreitender Züchtung immer wieder zu Misserfolgen führen, denn auch die Schädlinge entwickeln sich weiter, bilden neue Stämme oder Rassen, so dass eine Resistent nicht auf alle Zeit Bestand haben muss. Dennoch lassen sich die gefürchtetsten Pflanzenkrankheiten, wie die Braunfäule an Tomaten, Mehltau an Gurken und Kohlhernie an Kohlsorten, auch ohne Pflanzenschutzmittel in den Griff bekommen.

Das Geheimnis der Mischkulturen

Gemüsebauberater Raimund Schnecking führte die über 140 Teilnehmer ein in das Geheimnis der Mischkulturen. Wenn man ein paar Grundregeln beachtet, dann ist es gar nicht so schwierig, die richtigen Pflanzen miteinander zu kombinieren und auch mehrere Kulturen im Jahr auf einer Fläche anzubauen. Ganz nebenbei garantieren Mischkulturen höhere Erträge und gesündere Pflanzen. Zu beachten sind bei den Mischkulturen die unterschiedlichen Nährstoffansprüche der Pflanzen. Man spricht von Stark-, Mittel- und Schwachzehrern, je nach Stickstoffbedarf. Auch die unterschiedliche Wurzeltiefe muss beachtet werden. So sind Möhren Tiefwurzler, die gut zu den flachwurzelnden Kohlrabi passen. Dass Möhren und Zwiebeln sich gegenseitig gut ergänzen ist vielen bekannt. Ein weiterer Faktor ist die Pflanzenfamilie. Viele Gemüse gehören zu den Kreuzblütlern, sie haben eine Blüte aus vier Blütenblättern. Nebeneinander ist ihr Anbau unproblematisch, aber nacheinander fördern sie zum Beispiel die Ausbreitung der Kohlhernie, die die Pflanzen absterben lässt.

Bunte Nutzgärten machen Spaß

Vieles kann im Garten ausprobiert werden. Dazu ist er da. Das experimentieren fördert den Spaß an der Gartenarbeit. Ein bunter Nutzgarten passt vielfach besser zu den Bedürfnissen der Nutzer.

Kaum jemand benötigt heute große Mengen Kohl oder Salat. Aber in kleinen Mengen verschiedener Sorten, eingebettet in Blumen, vielleicht mit essbaren Blüten, sind sie eine Bereicherung für den Speiseplan und verursachen keinen Stress.

Bei bunten Nutzgärten soll man aber auf die Verwendung von Giftpflanzen verzichten. Zu groß ist die Gefahr, dass die Pflanzen aus Unkenntnis verwechselt werden. Besonders Kinder sind gefährdet, weil sie gerne alles probieren, was im Garten wächst.

Weitere gute Tipps für den Garten gaben Verkaufsleiter Herbert Klein Niesse und Produktberater Volker Schevel. Sie erläuterten, wie mit einer Gründüngung, z.B. mit Phacelia, dem Bienenfreund oder der Mischung Boden-Therapie, die auch gegen Nematoden hilft, der Boden gesund erhalten und gedüngt werden kann und wie eine Blumenwiese im Garten Nützlinge fördert.

Das Bonbon des Tages war die Demonstration des Weidenflechtens durch Angelika Laumann vom Kreisgarten Steinfurt.

Weiden, gebogen und geflochten

Geschickt führte sie vor, wie aus den langen Weidenruten eine dekorative Kugel geformt wird und wie aus Weidenbündeln nützliche Rankhilfen und Kunstwerke für den Garten entstehen.

Je schmaler das Weidenblatt, desto bessersind die Triebe geeignet. Im Winter geschnitten macht man am Besten erst einmal den Biegetest um festzustellen, ob die Triebe brechen. Dann legt man sie für 24 Stunden in Wasser und kann mit der Arbeit beginnen. Zuerst in Bögen in einen Topf gesteckt werden später Triebe eingeflochten, so dass eine Kugel, oder bei noch ungeübten auch erst einmal ein Ei entsteht.

Mit der Erde verbundene Triebe treiben wieder aus. Die weiden müssen im Sommer beschnitten werden, halten aber viele Jahre. Lässt man die Triebe eintrocknen sind die Weiden nur wenige Jahre haltbar.

Die Kugeln oder Pyramiden lassen sich auch sehr gut als Rankhilfen oder für hohe Stauden verwenden.

Daneben kann man mit Weiden auch sehr schöne Zäune und Sichtschutzwände herstellen.

Das Weidenmaterial erhält man kostenlos in der Natur, allerdings muss man sich mit dem Eigentümer abstimmen, ob man die Triebe anschneiden darf. Meistens wird er froh darüber sein, denn alte Korb- und Kopfweiden kann man nur erhalten, wenn sie regelmäßig geschnitten werden.

J.R.

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hintere Reihe v.l.n.r. Brigitte Steckert,
Karl-Heinz Steckert, Ulrich Neumann, Miriam Soboll, Hildegard Marquardt, Rolf Köller

Angelika Lausmann vom Kreislehrgarten in Steinfurt demonstriert die Kunst mit Weiden, kommentiert von Raimund Schnecking

Farbenpracht bei jedem Wetter: Die Schaugärten auf dem Kaldenhof der Firma Kiepenkerl

Weidenkunst von
 Angelika Lausmann

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